FAQ

In unserem FAQ finden Sie Antworten auf zentrale Fragen rund um das Bauprojekt Big WINGS

Inwieweit steigt durch die Werkserweiterung des Projekts Big WINGS die Menge an Gefahrstoffen, die am Standort Pullach gelagert werden?

Wenn das Bauvorhaben abgeschlossen ist, steigt theoretisch die maximale Lagermenge an organischen Peroxiden (OP) von aktuell genehmigten 2.050 t auf dann offiziell genehmigte 3.340 t. Nominell bedeutet dies zwar ein Plus von 1.290 t – aber nur nominell. Der Grund: Die Konstruktion und Ausführung der Lagerbereiche, einschließlich der Sicherheitseinrichtungen, wird für eine höhere Lagermenge ausgelegt, als man darin lagern kann. Dieses Vorgehen ist bei Lägern für organische Peroxide üblich und stellt eine entsprechende Sicherheitsreserve dar.

Aktuell beträgt die durchschnittliche Lagermenge dieser Produktgruppe auf unserem Werksgelände rund 1.000 t innerhalb von 48 Lagerabschnitten. Mit dem angedachten Erweiterungsprojekt kämen 16 weitere Lagerabschnitte hinzu. Die Lagermenge wird real auf ca. 1.600 t steigen. Von der Differenz von 600 t würden ca. 400 t sofort durch die Aufgabe extern genutzter Läger belegt werden. Die weitere Differenz von 200 t würde sukzessive in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung aufgefüllt werden.

Plant United Initiators, neben der Lagermenge auch die Produktionsmenge von Gefahrstoffen zu erhöhen?

Das Bauprojekt Big WINGS und die Anpassungen im Zuge des Aufstellungsverfahrens zum einheitlichen Bebauungsplan dienen ausschließlich zur Anpassung der Werkslogistik an bereits vorhandene und genehmigte Produktionskapazitäten und zur sichereren Abwicklung des Verkehrs zu und vom Standort. Für die Zukunft schließt United Initiators nicht aus, Projekte zur Erhöhung der Produktionskapazitäten auszuarbeiten und zur Genehmigung zu beantragen.

Wie werden die Produkte von United Initiators gelagert?

United Initiators verfügt über einen abgeschlossenen, geschützten und gesicherten Werksbereich. Das Unternehmen ist hinsichtlich des Sabotage- und Eingriffsschutzes nach der AEO (Authorized Economic Operator) Richtlinie als besonders zuverlässig und vertrauenswürdig bewertet und zertifiziert worden.

Die Lagermengen der einzelnen Kompartments richten sich nach gesetzlichen Vorgaben gemäß der DGUV Vorschrift 13 (Unfallverhütungsvorschrift Organische Peroxide , BG RCI). In der betrieblichen Praxis werden in den geplanten 16 Lagerkompartments jeweils etwa 35 bis 40 t gelagert. Die Lagerung erfolgt in den für das jeweilige organische Peroxid zugelassenen Gebinden (z. B. IBC, Fässer und Kanister in unterschiedlichen Größen). Eine übliche Gebindeform sind Kanister mit 30 l bzw. 25 kg Inhalt. Bei den Lagerkompartments handelt es sich um jeweils baulich getrennte Gebäudeabschnitte mit redundanten Temperiereinrichtungen sowie redundanter Temperaturüberwachung und Alarmierung, in entsprechender Sicherheitsbauweise. Jedes Kompartment ist mit sogenannten Druckentlastungsflächen sowie automatischen Löscheinrichtungen ausgestattet und in ein Löschwasserrückhaltesystem eingebunden. Die Bodenbeschaffenheit ist nach den Bestimmungen des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) und der Verordnung für Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) ausgeführt und entsprechend versiegelt. Die Einrichtungen werden abgenommen und regelmäßig von externen Gutachtern überprüft. Zudem hat ein nach §29 BImSchG bestimmter Sachverständiger die Genehmigungsfähigkeit begutachtet und positiv testiert.

Mit anderen Worten ausgedrückt: Bei uns werden keine großen Mengen an organischen Peroxiden in einem einzigen Bereich zusammenhängend gelagert. Die Mengen sind stets aufgeteilt in für sich separate, abgesicherte Bereiche. Dies erhöht die Sicherheit in erheblichem Maße.

Durch welche Maßnahmen sind die Lager geschützt?

Kernelemente der Sicherheitsausstattung für die Lagerbereiche sind:

  • Ein gesicherter, abgezäunter, ständig überwachter Werksbereich, der den Zutritt Unbefugter sowie Sabotagehandlungen verhindert.
  • Baulich voneinander abgegrenzte Einzellagerbereiche in Sicherheitsbauweise
  • Die Lagermengen pro Einzelbereich sind limitiert in Abhängigkeit der OP Lagergruppe. Je höher das theoretische Gefahrenpotenzial, desto weniger darf gelagert werden.
  • Die Lagerung erfolgt in transportrechtlich zugelassenen Gebinden. Die Prüfung und Zulassung der Gebinde erfolgt z. B. durch die Bundesanstalt für Materialprüfung und Materialforschung (BAM).
  • Redundante Anlagentechnik zur Temperierung der Lagerbereiche
  • Redundante Lagertemperaturüberwachung mit entsprechender Alarmierung
  • Lagerung erfolgt gemäß den vorgegebenen Temperaturbereichen mit entsprechender permanenter Überwachung (d. h. 24 Stunden/7 Tage)
  • Selbstauslösende Löscheinrichtungen mit den jeweils geeigneten Löschmitteln
  • Druckentlastungsflächen
  • Löschwasserrückhaltung und Ableitung
  • Die Flächen sind nach den Bestimmungen des Wasserhaushaltsgesetzes versiegelt.
  • Werksfeuerwehr am Standort
  • Gut ausgebildete, erfahrene, geschulte Mitarbeiter
  • Kontinuierliche Instandhaltung durch Wartung und Inspektion
  • Regelmäßige Prüfungen und Abnahmen durch Sachkundige bzw. externe Sachverständige

Am Standort ist ein 24/7/365 Rufbereitschaftsdienst eingerichtet.

Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es bei einem Stromausfall?

United Initiators betreibt ein eigenes Gasturbinen-Kraftwerk zur Stromerzeugung, welches im Falle eines externen Stromausfalls, die sichere Versorgung des Standorts übernimmt. Die einzelnen Lagerbereiche sind zudem mit einer entsprechenden Wärmedämmung ausgestattet, sodass auch im sehr unwahrscheinlichen Falle eines längeren, kompletten Ausfalls des Stroms, der für den Betrieb der Temperiereinrichtungen benötigt wird, ausreichend Zeit bliebe, um die Stromversorgung wiederherzustellen bzw. entsprechende Sicherungsmaßnahmen einzuleiten. Die ständige Funktion der Sicherheitseinrichtungen in den Lagerbereichen wird neben der generellen Versorgungsredundanz durch ein eigenes Kraftwerk über unabhängige Spannungsversorgungsanlagen (USV’s) gewährleistet.

Welche Vorschriften gelten beim Bau für die geplanten Lagergebäude?

Die von United Initiators geplanten Lagergebäude werden anhand der geltenden Regelwerke und der technischen Standards ausgeführt. Grundlagen hierfür sind in erster Linie die Vorgaben und Leitlinien der gesetzlichen Unfallversicherungsträger: DGUV Vorschrift 13, BG RCI Merkblätter M058 und M001. Diese stehen im Netz zum Download zur freien Verfügung. Der Sicherheits- und Gesundheitsschutz, die Gewährleistung der Störfallvorsorge, die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und natürlich auch der Umweltschutz stehen im Mittelpunkt aller genehmigungsrechtlicher Verfahren und im späteren Verlauf auch im Rahmen der Überwachung des Betriebs.

Steigt die Gefährdung der Nachbarschaft – angrenzender öffentlicher Straßen, der S-Bahn-Trasse und der umliegenden Einzelhandels- und Gewerbebetriebe – durch die geplante Erweiterung der Lagerkapazitäten?

Die von United Initiators geplante Erweiterung umfasst einen neuen Lagerbereich und einen neuen Versandbereich für die Produktgruppe der organischen Peroxide (OP). Aktuell beträgt die durchschnittliche Lagermenge dieser Produktgruppe auf unserem Werksgelände rund 1.000 t innerhalb von 48 Lagerabschnitten. Mit dem angedachten Erweiterungsprojekt kämen 16 weitere Lagerabschnitte hinzu. Die Lagermenge wird real auf 1.600 t steigen. Von der Differenz von 600 t würden ca. 400 t sofort durch die Aufgabe extern genutzter Läger belegt werden. Die weitere Differenz von 200 t würde sukzessive aufgefüllt werden, immer in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung.

Als Richtlinie für die Bauleitplanung liegt ein Abstandsgutachten vor. United Initiators hat sich ganz bewusst auch deshalb für die Variante der südlichen Erweiterung entschieden, weil das Gutachten in diesem Bereich keine Auswirkungen auf die genannten Schutzgüter ausweist. Der Bahnbereich wird als Schutzgut in den betrieblichen Alarm- und Gefahrenabwehrplänen adäquat berücksichtigt.

Alle geplanten Gebäude und Einrichtungen werden nach dem neuesten Stand der Technik errichtet. Maßgeblich ist u. a. die Vorschrift Nr. 13 der gesetzlichen deutschen Unfallversicherungsträger (DGUV 13, vormals BGV B4; aber auch: M001 und M058 der BG RCI). Die vorbeugenden, konstruktiven, abwehrenden Maßnahmen zur Beherrschung des Gefährdungspotenzials wurden allesamt identifiziert. Sie werden umgesetzt, sind überprüft, von einem nach §29 BImSchG berufenen Sachverständigen begutachtet und durchlaufen das Genehmigungsverfahren nach dem BImSchG (Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge; kurz: Bundes-Immissionsschutzgesetz). Dabei handelt es sich um eine Vielzahl von Maßnahmen. United Initiators tut alles, damit das Restrisiko auf ein absolutes Minimum reduziert wird.

Das Werk in Pullach unterliegt darüber hinaus den erweiterten Pflichten der Störfallverordnung bzw. der 12. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Bei dem für das Projekt erforderlichen Genehmigungsverfahren handelt es sich um eines der Erlaubnisverfahren mit den strengsten Sicherheitsanforderungen und Auflagen in unserem Land. Seit dem letzten relevanten Störfall im Betriebsbereich von United Initiators, einem Zersetzungsereignis mit Folgebrand im Oktober 2002, hat das Unternehmen die Bemühungen hinsichtlich der Sicherheitsvorsorge erheblich intensiviert. Zudem hat sich der Stand der Sicherheitstechnik weiterentwickelt. Ebenso hat sich der verbindliche rechtliche Rahmen seitdem deutlich verschärft.

Die Technik kann aber noch so modern sein, die Mitarbeiter können noch so umsichtig arbeiten und erfahren sein: Das Risiko eines Ereignisses lässt sich mit den getroffenen, umfassenden Sicherheitsvorkehrungen und den sehr gut ausgebildeten Mitarbeitern stark einschränken, aber nicht vollständig ausschließen. Deshalb hat United Initiators ungeachtet aller vorbeugenden Vermeidungsmaßnahmen Vorkehrungen getroffen, um die Auswirkungen eines Vorfalls zu begrenzen. Diese Maßnahmen sind in einer Informationsbroschüre zur Störfallvorsorge  beschrieben.

Die mit dem Betrieb der neuen Einrichtungen verbundene Gefährdung lässt sich nicht in absoluten Zahlen wiedergeben. Sie liegt im Bereich des Restrisikos, wie es von der Störfallkommission des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in der Schrift SFK-GS-41 definiert ist. Diese legt auch fest, dass eine Einrichtung nach dem BImSchG nicht genehmigungsfähig ist, wenn das Restrisiko nicht unterhalb des gesellschaftlich akzeptierten Risikos liegt.

Wie sicher sind die Anfahrt und der Aufenthalt für die Bürger sowie für das Personal auf dem neuen Wertstoffhof, den die Gemeinde Pullach auf dem Gelände von United Initiators plant?

Die Sicherheit der Bürger und der Mitarbeiter des Wertstoffhofs ist jederzeit gewährleistet. Das war für United Initiators ein ganz wichtiger Punkt im Austausch mit den Gemeindevertretern. Der neu angedachte Wertstoffhof liegt vollständig außerhalb der Auswirkungsbereiche der sogenannten Dennoch-Störfälle, die Gegenstand des Abstandsgutachtens sind.

Bei den Dennoch-Störfällen handelt es sich um Vorfälle, deren Auswirkungsbegrenzung ursachenunabhängig betrachtet wird. Das bedeutet, dass die Ursachen, die zu einem solchen Vorfall führen könnten, allesamt identifiziert und betrachtet wurden. Sämtliche Gegenmaßnahmen vorbeugender, konstruktiver und abwehrender Art wurden berücksichtigt und sind bzw. werden umgesetzt. Dennoch betrachtet man die Auswirkungen solcher Ereignisse. Daher die Bezeichnung Dennoch-Störfälle. Siehe auch dazu die Schrift SFK-GS-26 der Kommission für Anlagensicherheit der Bundesregierung (KAS).

Ist die Betriebsfeuerwehr von United Initiators ausreichend leistungsfähig, wenn sich durch die Werkserweiterung das Einsatzgebiet vergrößert?

Nicht nur die Werksfeuerwehr von United Initiators ist leistungsfähig ausgestattet, auch alle umfangreich vorhandenen stationären Einrichtungen zur Auswirkungsbegrenzung sind rund um die Uhr aktiv und jederzeit bereit. Die Einrichtungen unterliegen regelmäßigen Prüfungen entsprechender Sachverständiger.

Die Freiwillige Feuerwehr Pullach unterstützt die Werksfeuerwehr im Ernstfall. Wie wird sichergestellt, dass sie das Werksgelände trotz möglicher Wartezeiten am S-Bahn-Übergang schnell genug erreicht?

Zunächst sind eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt, die das Eintreten eines Ereignisses verhindern und das Eintrittsrisiko in den Bereich des Restrisikos verlagern. Aktuell würden im Fall eines Vorfalls abgestufte Ketten zur Gefahrenabwehr und Auswirkungsbegrenzung in Gang gesetzt werden: Als Erstes werden die vor Ort installierten Gefahrenabwehrsysteme teils automatisch aktiviert. Dazu gehören u. a. automatische Wasserwerfer, Löschgasflutungen und vieles mehr. Darüber hinaus greift die unternehmenseigene Werksfeuerwehr ein. Auch die Mitarbeiter sind geschult und werden entsprechende Maßnahmen zum Ersteingriff einleiten und durchführen.

Als Nächstes greift die Meldekette zur Rettungsleitstelle, die dann je nach Schwere des Ereignisses eine oder mehrere Feuerwehreinheiten im Umfeld des Werks aktiviert. Bezüglich einer barrierefreien Anfahrtsmöglichkeit der Feuerwehr Pullach gibt es nach Kenntnisstand von United Initiators wohl verschiedene lose Überlegungen seitens der Gemeinde zur Schaffung eines Notanfahrwegs. Ein solcher Notweg könnte aus Sicht von United Initiators auch dazu dienen, den gesamten Südbereich mit den großen Einkaufsmärkten, Linde, Sixt u. a. schneller durch die Rettungskräfte erreichen zu können.

Im Zuge des Bauvorhabens Big WINGS wird für die Zufahrt zum Werksgelände ein zusätzlicher südlicher Notanfahrweg für Rettungskräfte aus südlicher Richtung der B11, also aus Richtung Baierbrunn kommend, geschaffen.